Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 19 Jahren in Deutschland verfügen heute insgesamt über 20 Milliarden Euro! Sie haben so viel Geld wie nie zuvor. Umso wichtiger ist es, dass Kinder lernen, mit ihrem Geld hauszuhalten. Keine leichte Aufgabe, denn die Werbung hat Kinder längst als kaufstarke Gruppe entdeckt.
SCHUFA sprach mit Dr. Christine Feil, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Kinder und Kinderbetreuung am Deutschen Jugendinstitut in München.
Ist es angesichts vielfältiger Konsumangebote schwieriger geworden, Kindern einen vernünftigen Umgang mit Geld zu vermitteln?
Ein Blick ins Kinderfernsehen genügt, um festzustellen, dass Kinder einem ungeheuren Werbe- und Konsumdruck ausgesetzt sind. Die Devise lautet "Kinder wissen, was sie wollen" – so werden heute die Kinder direkt als Konsumenten angesprochen. Gelderziehung allein reicht deshalb nicht aus, weil sie sich im Prinzip darauf beschränkt, mit einer Geldsumme planen und haushalten zu lernen. Verbrauchererziehung, die Warenkunde einschließt, ist ergänzend erforderlich.
Wie lernen Kinder, dass Geld verdient werden muss?
Kindern im Vorschulalter ist dies sicherlich schwer zu vermitteln, sie wissen einerseits, dass Mutter oder Vater zur Arbeit gehen und sie sehen andererseits, dass das Geld aus dem Bankautomaten kommt.
Der Zusammenhang zwischen Arbeit und Geld erschließt sich Kindern spätestens dann, wenn sie mit sozialen Herkunftsunterschieden konfrontiert werden – also mit den verschiedenen Freiräumen und Beschränkungen des Konsums durch Geld.
Dies ist die praktische und bisweilen auch bittere Seite des Lernens, dass Geld nicht nur verdient sein will, sondern in unterschiedlicher Höhe verdient wird. Das Sprechen und Aufklären über die Familienfinanzen sollte also eine Selbstverständlichkeit sein. Im Übrigen lernen Kinder auch sehr schnell, dass man Geldverdienen kann, denn sie bieten allenthalben ihre Dienste wie Hund ausführen, Babysitten oder Einkaufen für andere gegen einen geringen Obulus an.
Sind Taschengeldempfehlungen sinnvoll?
Ja, auf jeden Fall, denn noch immer bekommen rund 30 Prozent der Kinder zwischen 6 und 12 Jahren und 15 Prozent der Jugendlichen zwischen 13 und 17Jahren von ihren Eltern kein regelmäßiges Taschengeld ausgehändigt. Aufklärung über die pädagogischen Aspekte eines Taschengeldes für Kinder tut demnach noch immer Not. Taschengeldempfehlungen können Eltern zudem als Orientierungswerte dienen, denn häufig können sie nicht einschätzen, ob sie ihrem Kind zuviel oder zu wenig Taschengeld geben oder welche Taschengeldsumme dem Alter ihres Kinder angemessen ist. Darüber hinaus können pädagogische Maßstäbe Eltern auch Argumentationshilfen bei den Taschengeldverhandlungen mit ihren Kindern liefern.
Was sollen Kinder vom Taschengeld bezahlen, was nicht?
Das Taschengeld ist als persönliches Geld gedacht und steht somit zur freien Verfügung des Kindes.
Das Kind "soll" also gar nichts bezahlen. Mit dem Taschengeld soll es sich vielmehr selbstständig – ohne Rücksprache mit den Eltern – kleine Wünsche erfüllen können.
Wie eh und je kaufen die meisten jüngeren Kinder Süßigkeiten, Heftchen, Sticker oder "Wundertüten", die älteren CDs, "Junkfood" oder die viel diskutierten Klingeltöne fürs Handy. Kinder sparen aber auch Teile ihres Taschengeldes. Geld für den täglichen Bedarf des Kindes wie für Fahrkarten, Schulsachen, Pausensnacks, Kleidung sind zweckgebundene Mittel und streng genommen kein Taschengeld. Jedoch sieht die Taschengeldpädagogik auch vor, älteren Kindern, etwa zwischen dem 12. und 14. Lebensjahr, mit dem Taschengeld zugleich Geld für den Alltagsbedarf zu geben. Die Summen sollten jedoch für das Kind überschaubar bleiben. Denn wenn das Kind das Geld in der Tasche hat, ist der Unterschied zwischen Taschengeld und zweckgebundenen Mitteln verschwunden. Das Einteilen von Geld – insbesondere über längere Zeiträume – muss eben erst gelernt werden.
Soll man Kinder heute noch zum Sparen anhalten?
Wenn die Sparerziehung nicht zur elterlichen Taschengeldkontrolle ausartet, ist dagegen nichts einzuwenden. Aber: Das Sparen sollte kein Selbstzweck sein. Viele Kinder sparen ohnehin freiwillig. Je jünger sie sind, umso häufiger sind sie Schatzbildner ohne Sparziel. Dieses zweckfreie Sparen nimmt mit zunehmendem Alter ab.
Die Konsumwünsche der Kinder wachsen mit ihrer zunehmenden Selbstständigkeit, mit der die Orientierung an der Gleichaltrigengruppe einhergeht.
Die Kinder beteiligen sich – auch wenn dies althergebracht erscheinen mag – an der Finanzierung größerer Anschaffungen. Bei den Jüngeren ist dies noch immer das Fahrrad, bei den Älteren der Führerschein oder das Auto. Das Gros der Sparguthaben besteht allerdings aus Geldgeschenken von Verwandten und Einkommen aus Nebenjobs und hat nichts mit dem Taschengeld der Kinder zu tun.
Sollen Eltern Großeltern oder andere Verwandte Kinder für Hausarbeiten oder gute Schulnoten mit Geld belohnen?
Gerade weil im Taschengeld der Kinder die Trennung von Arbeit und Geld vollzogen ist, scheiden sich an dieser Frage die pädagogischen Geister. Wie das Taschengeld hat auch die Mithilfe der Kinder im Haushalt erzieherischen Charakter und sollte nicht entlohnt werden. Einige Pädagogen gehen davon aus, dass Kinder für die ihnen aufgetragenen Zusatzarbeiten "bezahlt" werden dürfen und sollten, andere nicht. Ähnliches gilt für die "guten" Schulnoten: Sie sollten von den Kindern nicht erkauft werden, aber die Leistungen des Kindes dürfen und sollten anerkannt werden.
Wenn also Geld, dann auch für das Kind, das sich anstrengt, und dennoch keine "guten" Noten hat.
Letztlich liegt es in der Entscheidung und Verantwortung der Eltern, aus welchen Gründen und zu welchen Anlässen sie ihrem Kind Geld überlassen.
Was ist davon zu halten, wenn Kinder untereinander zum Beispiel mit Sammelkarten "Geschäfte" machen?
Es ist ein sozial heikler Punkt, wenn Kinder aus ihrer Sammelleidenschaft, zu der das Tauschen gehört, Geld machen. Auf dem Flohmarkt ist es akzeptabel, auf dem Schulhof Tabu, unter Freunden unschön, denn das Ergebnis sind schließlich Spekulationsgeschäfte auf niedrigstem Niveau.
(mit Taschengeldplaner)
Christine Feil: Kinder, Geld und Konsum. Die Kommerzialisierung der Kindheit.
Weinheim und München: Juventa 2003, ISBN 3-7799-0226-5